Mantrailing

Was ist Mantrailing?

  • die Suche einer Person anhand dessen Individualgeruchs
  • stammt aus dem engl. Man = Person und trail = verfolgen
  • Hund sucht stets an der Leine
  • hauptsächlich in Wohngebieten / Städten
  • körperliche und geistige Auslastung

Die verschiedenen Such-Arten

  • Mantrailing = Suche anhand Individualgeruchs
  • Fährte = Suche anhand Bodenverletzungen
  • Fläche und Trümmer = Suche anhand eines Menschengeruchs/ Opferbildes

mögliche Kombinationen der Such-Arten

  • Fährte + Mantrailing
  • Pettrailing + Mantrailing
  • ZOS + Mantrailing
  • Trümmersuche + Mantrailing

Warum soll ich mit meinem Hund überhaupt suchen?

  • für den Realeinsatz: Vermisste Personen suchen
  • für den Realeinsatz: Vermisste Tiere suchen -> Pettrail
  • für den Hobbybereich als Auslastung für den Hund und gemeinsame Aktivität

Gesunde Auslastung für Körper und Geist

  • Hund pusht sich nicht hoch
  • Hund muss sich konzentrieren
  • es geht nicht um Schnelligkeit

 

  • HF nimmt seinen Hund anders wahr
  • Bindungsförderndes und Stressdämpfendes Hormon Oxytocin u.
  • „erfolgs-Hormon“ Dopamin wird ausgeschüttet
  • Selbstständiges Arbeiten schafft Selbstbewusstsein / Strategie mit Problemen umzugehen
  • Arbeit zusammen mit Mensch, wenn der Hund nicht weiter weiß -> Teamarbeit!
  • Zusammen ein positives Erfolgserlebnis
  • Zusammen eine gemeinsame Aktivität
  • Mensch lernt besser seinen Hund zu lesen, bzw. die Körpersprache zu beachten
  • „Therapietrailen“ für Hunde mit Verhaltensschwächen

Für welche Rassen bzw. Hunde ist Trailen überhaupt geeignet?

  • für alle Rassen und Altersklassen auch Welpen
  • für Hunde mit Handicap und Verhaltensprobleme
  • Hund an der Leine
  • Trail angepasst
  • „schnüffeln“ liegt in der Natur des Hundes

Was wird benötigt beim Trailen?

  • Leine mind. 5 Meter
  • Geschirr und Halsband
  • Belohnung
  • Geruchsträger
  • Wetterfeste Kleidung + Schuhe
  • Warnweste für HF, Leuchthalsband oder ähnl. für Hund
  • Genügend Wasser
  • Versteckperson, liebevoll „Opfer“ genannt
  • idealerweise ein Trailleger
  • Flankenmann/-Frau

Das Geschirr

  • Formen
  • Muss auf den Hund abgestimmt sein
  • Extra Trailgeschirr? Nein kein Muss!
  • Norwegerform
  • Führgeschirr
  • Zuggeschirre
  • in jedem Fall sollte auf Hals- und Schulterfreiheit geachtet werden

Die Leine

  • 5 Meter, besser 7 oder 10 m
  • Materialien: Je nach Hund und Vorliebe
  • Gurtband
  • Biothane
  • Leder
  • Longe

Positive Belohnung

  • Spielzeug
    • Nachteil: kann hochpushen
  • Leckerlies / Futter
    • weich, besonders schmackhaft
  • Futterdummy
    • Kombi aus Spiel & Essen
  • Einsatz von Clicker möglich
  • Oftmals ist das Trailen selbst schon die Belohnung

Geruchsträger (prinzipiell Alles mit dem die VP in Kontakt kam)

  • Indument = Kleidungsstück
  • scentarticles (Gegenstände von der vermissten Person)
  • Ausschlaggebend für Erfolg/ Misserfolg
  • Träger des gesuchten Geruchs
  • In einem frischen, geschlossenem Behälter bzw. Tüte (Gefrierbeutel sind sehr gut geeignet)
  • Nicht „kontaminiert“ bei Anfängern

idealer Weise

  • Wenig Eigengeruch (zB. Leder hat einen intensiven Eigengeruch)
  • Keine Kontamination
  • Frisch getragen
  • Körpernah getragen
  • Obere Körperhälfte getragen
  • Große Oberfläche
  • Substanz / Oberfläche die Gerüche gut aufnimmt

Geeignete Kleidung

  • angepasste Kleidung (Tätigkeit – Witterung – Tageszeit)
  • am besten Warnweste
  • festes Schuhwerk
  • Handschuhe
  • Taschenlampe / Stirnlampe
  • für den Hund eventuell Warnweste
  • Leuchthalsband

Die „Opfer“

  • möglichst versch. Personen
  • bei Anfängern dieselbe Person
  • pro Traileinheit
  • bei Anfängern „gemochte“ VP
    • h. bei Männerproblemen eine weibl. VP
  • VP in unterschiedliche Positionen
  • auf die Stimmung der VP achten
  • VP genau einweisen
    • h. Ort, Körperhaltung, Anzeigeverhalten, usw.

Trailleger

  • die Person die das „Opfer“ einweist
  • die Örtlichkeiten kennt
  • den Trail kennt
  • nach dem Trailen mit dir bespricht was gut oder verbesserungswürdig ist
  • als Flankenmann/-frau fungiert

Flankenmann/-frau

  • ist für die Sicherheit auf dem Trail zuständig
  • achtet auf den Verkehr
  • ruft wenn andere Verkehrsteilnehmer im Suchgebiet bzw. auf dem Trail auftauchen
    • Beispiel: „Fahrrad von links“

Wie entsteht Geruch?

  • Mensch verliert ca. 40 000 Hautschuppen pro Min
  • Bakterien zersetzen Zellen
  • Zellen enthalten versch. chem. Stoffe
  • das macht den Geruch von jeden Menschen einmalig

Wettereinfluss auf Geruch

  • Geruchsausbreitung bei warmer Temp. stärker
  • Problem: heißes, trockenes Wetter
  • Ideal: feuchtes, warmes Wetter
  • Regen: leichter Regen, nach Regen kein Prob
  • Schnee: offene Schneedecke kein Prob
  • Warme Luft: „hoher Geruch“
  • Kalte Luft: „niedriger Geruch“
  • Wind: verweht die Geruchspartikel in Kreuzungen, Gärten, Hauseingänge
  • Windstill: Geruch „steht“

Boden Einfluss auf Geruch

  • ideal:
    • weich
    • feucht
    • wenig Eigengeruch
    • kein Untergrundwechsel
  • schwierig:
    • trocken
    • hart
    • Brücken
    • Gitter
    • Einfahrten
    • Untergrundwechsel
    • Gewässer
    • Ufer

Gelände Einfluss auf Geruch

  • Mulden: Ansammlung von Geruch (pool)
  • Treppen: Kaminwirkung
  • Brücken und Tunnel kaum Witterung, deshalb jede Brücke oder Tunnel ganz ablaufen
  • Flüsse: Geruch stromabwärts
  • Straße: Geruch verwirbelt
    • Verkehrsteilnehmer „nehmen den Geruch mit“

Der Einstieg

Varianten:

  • Entdeckertrail (es liegen mehre Gegenstände auf dem Weg)
  • Anreizen (die Person läuft rufend weg)
  • bekannter Trail (der Trailer kennt den Trail)
  • unbekannter Trail (der Trailer kennt den Trail nicht, nur der Trailleger)

Entdeckertrails:

  • Kleiderspur
    • Hund sieht das „Opfer“ nicht
    • Arbeitet mit der Nase, nicht mit den Augen
    • wird nicht hochgepusht
  • Konzentriertes Arbeiten von Anfang an!

Start:

  • kurze, gerade Strecke
  • Gemochte VP
  • Wenig/ keine Ablenkung
  • Idealerweise 2 Trails direkt hintereinander

Leinenhandling

  • Leine immer in beide Hände!
  • Führhand: vordere Hand
    • hält die Verbindung / Spannung
    • Gibt Sicherheit
    • Stabilisiert die Körperspannung des Hundes
    • Regelt die Geschwindigkeit
  • Die hintere Hand gibt und nimmt die Leine
  • Hände leicht versetzt halten: offene oder geschlossene Hand
  • Niemals die Führhand übergreifen
  • Kein Rucken, starkes Abbremsen
  • Voraussehendes Handeln, d.h. Leine zügig einholen wenn der Hund langsamer wird oder anhält
  • beim Nähern der Straße oder unübersichtliche Situationen immer Leine einholen um den Hund nicht zu gefärden
  • Möglichst sich selbst/ Hund nicht verwickeln

Körperhaltung

  • Nicht verspannt – aber auch nicht zu locker
  • Atmen nicht vergessen
  • Oberkörper eher nach hinten gerichtet
  • Nicht gegen die Bewegung des Hundes arbeiten
  • Hund flüssig hinterher gehen
  • Bei sehr schnellen Hunden –> abbremsen

Positionierung

  • immer hinter dem Hund
  • mittig hinter dem Hund
  • neutral für den Hund (keine Richtung anzeigen)
  • dreht der Hund sich um (z.B. Kreuzung), dann seitlich hinstellen; idealerweise dort, wo man herkommt (Kein Stopp-Schild sein)

Der Trailer sollte:

  • neutral für den Hund sein
  • nicht gegen den Hund steuern
  • dem Trailleger vertrauen
  • den Hund lesen und ihm vertrauen!
  • Kommt der Hund nicht weiter, dann Hilfestellung geben!

Körpersprache Hund

  • auf der Spur: Muskeln angespannt, tiefere Nase, „gerader“ Gang, Passgang, hoppeln, wedeln im Takt, usw.
  • nicht auf der Spur: pendeln, stehen bleiben, hin- und her schießen, unsicherer Blick, Muskeln nicht angespannt, Bogen gehen, verlangsamen
  • „blinkt“ in einer Kreuzung/ Abbiegung herein
  • Zeigt bei Hecken/ Zäune mit „Löcher“ die Richtung eventuell schon an
  • Pendeln/ Privat-unterwegs, keine Lust
  • Markierung der Trails mittels Urin (als Anhaltspunkt nehmen u. merken)
  • Bei Unsicherheit des Hundes ist Teamarbeit gefragt!

Jeder Hund hat seine eigene Körpersprache welche der Hundeführer lernen muss!

Der Trailhund

verschiedene Suchtypen; auch abhängig von der Rasse

Die Gemütlichen:

  • langsame Steigerung
  • immer auf tägl. Kondition achten
  • genügend Zeit geben
  • HF darf nicht überehrgeizig sein
  • Körpersprache eventuell schwierig zu lesen
  • B. Molosser oder auch ältere Hunde

Die Stürmer:

  • Ruhe reinbringen
  • abbremsen, eventuell auch „Stoppen“
  • Vorsicht vor Überforderung
  • je nach Hund, sehr lange Trails o. mit vielen kl. Kreuzungen, können den Hund „herunterfahren“
  • oft ist das Trailen die größte Belohnung
  • vor dem Trail in das Gelände lassen und ruhig halten
  • B. Terrier, Retriever, Vorstehhunde, usw.

Der Abkürzer:

  • arbeitet gerne mit hoher Nase
  • Trails so legen, dass Abkürzungen kaum möglich sind
  • Hund in seiner Arbeit nicht zu sehr einschränken
  • Mixe aus dem Süden, ehemalige Flächensuchhunde, usw.

Das Start-Ritual

  • wichtig, um dem Hund klar den Start und Ende der „gemeinsamen Jagd“ zu definieren
  • wichtig für die Leinenführigkeit
  • damit der Hund gleich weiß, um was es geht
  • auch für den HF sinnvoll um sich auf den Start einzustellen

Was gehört zum Start-Ritual:

  • umhängen von Halsband an das Geschirr oder Geschirr/ Weste anziehen
  • Indument präsentieren
  • Hörsignal „riech“ oder ähnlich
  • Indument einpacken oder abgeben
  • Leine ordnen
  • Hörsignal „trail“
  • warten bis der Hund sich selbständig eine halbe Leinenlänge entfernt, dann nachlaufen

Beispiel für ein mögliches Ritual:

  • Kommando Sitz -> umhängen von Halsband auf Geschirr
  • Geruchsträger präsentieren -> Kommando riech
  • Indument einpacken ->
  • Kommando „trail“

Was gehört zum Start-Ritual:

  • Prescenting möglich -> Umgebung vorher ablaufen von alle abgehenden Wegen ca. 5 – 10 Meter
  • Präsentieren des Geruchs: evtl. mit ein paar Leckerli den Hund animieren an den Gegenstand zu riechen
  • Kopf in Tüte (freiwillig)
  • Tüte vor Nase

Beim Start beachten:

  • Möglichst ablenkungsarme Umgebung
  • ansetzen beim Geruchs-Pool z.B. an der Hauswand, hohes Gras oder Gebüsch
  • Ruhe
  • Ritual durchführen
  • nicht immer in Trailrichtung ansetzen
  • hunting for Trail

Das Ende-Ritual

  • Belohnung an oder von der VP
  • umhängen von Geschirr auf Halsband und Geschirr ausziehen
  • Wasser anbieten
  • Geruchsgegenstand und Dosen tauschen 
  • Hund macht Pause, etwas laufen (cool down) oder ähnliches jedoch gemeinsam mit seinem Menschen, ich halte nichts davon den Hund für seine erbrachte Leistung zu bestrafen in dem er vom Rudel getrennt und isoliert wird.

Weitere Möglichkeit beim Trailen …

  • Splitting (2 Personen laufen gemeinsam los und nach einer Weile trennen sich die Wege, der Hund sollte nun den Weg des „Opfers“ nehmen und dieses anzeigen, die zweite Person bleibt einfach irgendwann stehen)
  • Personendifferenzierungen (der Hund bekommt wieder einen Gegenstand und muss die Person aus einer Reihe von Personen finden die den Gegenstand hatte)
  • Negativ (Personen oder Objekte ausschließen)

Mantrailing Workshop vom 3. April 2016